Sunday, October 09, 2005

Kloten - Davos

Gleich mal vorweg. Man hat ja schon sehr viele schlechte Schiedsrichter im heimischen Stadion erlebt, aber das was gestern alles abging, dass geht auf keine Kuhhaut mehr. Ein Prugger, der einer Nationalliga unwürdig gepfiffen hat. Ein Prugger, der auf klare Stockschläge nicht eingeht, ein Prugger der den Gefoulten für 2min rausstellt und ein Prugger der eine Minute vor Schluss die Heimmannschaft mit 5:3 spielen lässt - selbstredend für ein Foul, das eigentlich keines war. Kompensation in seiner schönsten Form aber ausnahmsweise waren wir mal die Bevorteilten. So, jetzt aber genug geschwafelt, lasst uns zum Spiel übergehen.

1. Akt - 1. Drittel
Die Klotener starteten wie die Davoser auch verdammt schnell in dieses Spiel rein. Es war ein Schlagabtausch wie zu besten Zeiten und das Spiel ging teilweise so schnell hin und her, dass die Sitzplätzler wohl beinahe die Halskehre bekommen haben. Ein Tempo war da drin, man hatte es schon lange nicht mehr gesehen. 0:0 zur Pause mit leichten Vorteilen für Kloten.

2. Akt - 2. Drittel
Wieder startete man wie die Raketenwürmer in dieses Drittel. Nur diesesmal wurde es ein bisschen ruppiger und es waren einige Fouls zu bestaunen, die man so eigentlich nicht auf dem Eis sehen will. Stars dieser Aktionen: die lieben Davoser. Allen voran unser geliebter Reto Von Arx und sein cooler Kollege Michel "NHL Versager" Riesen. Aber halt, war da nicht noch was anderes? Richtig, ein gewisser Frederic Rothen schoss nach 2:40 im zweiten Abschnitt eines der Tore, die wohl in die Geschichte eingehen werden. Ein Steilpass von Stephan wurde länger und länger und länger und Rothen gab Vollgas, als es aussah als ob der Pass tatsächlich die Icing Grenze überschreiten würde hob Fredy ab, machte sich so lang wie er nur konnte und schlug im Fallen den Puck an Goalie Jonas Hiller vorbei. UNGLAUBLICH GEILES TOR, FREDY! Das Stadion stand natürlich Kopf und Kloten führte 1:0. Das blieb dann auch bis zur Pause so...

3. Akt - 3. Drittel
Auch hier wurde ein schnelles Tor erzielt. Allerdings definitiv für die falsche Seite. Davos glich aus, 1:1 und damit wars mal wieder soweit. Ein Herzschlagfinale stand und bevor. Zwei gleichstarke Tempobolzer Mannschaften lieferten sich fortan ein Duell, das einem Spitzenspiel durchaus würdig war. Chancen auf beiden Seiten wurden vertan und das Spielgeschehen wurde immer mal wieder durch willkürliches Fuchteln des Heads Prugger unterbrochen. Wahrscheinlich fühlte er sich angesichts dieses begeisternden Hockeyspektakels ein bisschen zu wenig beachtet. Und so lief das Spiel vor sich hin bis die Zeitanzeige 57:54 anzeigte und Davos, wohlgemerkt amtierender Schweizer Meister, sich benahm wie ein Kindergarten auf einem Chindsgi-Reisli. Man hätte die ganze Mannschaft wegen unsportlichen Verhaltens unter die Dusche schicken können, so dumm haben die sich benommen. 2 Minuten für Gianola wegen Haltens. Eine meines Erachtens gerechtfertigte Strafe. Kloten kam so also noch zu einem Powerplay für die letzten zwei Minuten des Spiels und man dachte schon, dass es nicht noch besser kommen könnte. Aber es kam besser. Dank unserem geliebten Reto Von Arx. War er es doch, der Hlinka zu Boden riss. War er es doch, der nachher (wahrscheinlich lätschend wie ein kleines Goof) zur Strafbank pilgerte und war er es doch, der uns eine unglaubliche 5:3 Überzahl ermöglichte für sage und schreibe 37 Sekunden.

4. Akt - 59:17
Nachdem die zweite Strafe ausgesprochen wurde gegen Von Arx rastete die Davoser Bank vollends aus. Stöcke wurden an der Bande zerschlagen, Flaschen aufs Eis geworfen und sonst spielten sich Szenen ab, die eines Meisters unwürdig sind. Klar war die Strafe nicht gerechtfertigt aber 1. ist es jedem bekannt das Schweizer Schiris halt nun mal kompensieren und 2. sollte gerade ein Meister damit meisterlich zurechtkommen. Aber der undisziplinierte "Del-Curto"-Haufen nahm sich durch diese Ausraster selber die Chance, das Tor noch zu verhindern. Alle Energie wurde in Hass und Unmut umgewandelt und so kann man kein Spiel mehr gewinnen und auch kein Tor mehr verhindern. Als dann endlich angespielt wurde, schoss ein Davoser den Puck gleich mal aus dem Drittel. Die Klotener kamen zurück, sie rollten an, machten einige Stafetten und Seitenwechsel und zack, schon war der Puck wieder draussen. Es durfte, es konnte nicht sein. Die Uhr zeigte mittlerweile 59:51 und...

SCHNITT

Der Puck kam zu Hlinka, dieser stoppte ihn, sah sich kurz um und spielte einen Querpass rüber zum Mann mit dem gelben Helm, der erwartungsvoll an der blauen Linie wartete. 59:52. Quint aber schoss nicht, er leitete den Puck weiter zu Rintanen. Das Kollektive "Schüüss" von 5000 Zuschauern im Stadion hörte Kimmo nicht und das Geräusch, als der Stock den Puck mit über 100 Stundenkilometern in Richtung Tor drosch, schien für ihn lauter zu sein als ein dahinbrausender Güterzug. 59:54.

Es sind diese Momente, in denen man die sogenannte Ruhe vor dem Sturm körperlich erleben darf. Es sind diese Momente in denen ein ganzes Stadion für einen Bruchteil einer Sekunde gemeinsam den Atem anhält. Dieser Moment trat ein, man hätte wohl kurz das Zischen des Pucks hören können wenn man genau hingehört hätte. Doch schon Sekundenbruchteile später war das Zischen vorbei und alles, was man in der jubelnden, schreienden und sich umarmenden Menge der Klotener Anhänger noch erkennen konnte, war die Rote Lampe. 59:55. Sie leuchtete.

Reto